Die Baujagd auf
den Dachs mit dem Teckel
Dachsbestände steigen an
Auch im
nördlichen Sachsen-Anhalt haben die Dachsbestände deutlich
zugenommen. Davon zeugen nicht nur die Anzahl der erlegten Dachse,
sondern auch leider die vielen Unfallopfer im Straßenverkehr mit
erheblichen Sachbeschädigungen am Auto.
Die Ursachen
für den Anstieg liegen u.a. in der Tollwutimmunisierung durch
ausgelegte Impfköder für Fuchs und Dachs. Die Tollwutseuchenzüge
haben in den früheren Jahren stark für den Rückgang der
Dachspopulation gesorgt. Da im nördlichen Sachsen-Anhalt heute die
Tollwut so gut wie keine Rolle spielt, ist auch mit einem weiteren
Aufwärtstrend des Dachsbestandes zu rechnen. Durch die seit 1996
durch die Teckelgruppe Gardelegen im Deutschen Teckelklub 1888 e.V.
verstärkt durchgeführten Baujagden, kann der bundesweite Trend, das
immer mehr Dachse die Fuchsbaue besetzen und sich zahlreich vermehrt
haben, kann für das Gebiet der Altmark bestätigt werden.
Warum Baujagd mit dem Hund
Da der Dachs
überwiegend ein nachtaktives Tier ist und tagsüber sich in Erdbauen
oder Betonröhren aufhält, besteht relativ selten die Möglichkeit
‚diesen am Tage mit der Waffe zu erlegen. Hinzu kommt, dass die
Jagdzeit auf den Dachs in Sachsen-Anhalt nur vom 01.09. bis 3 1.10.
ausgeübt werden kann. Somit bleibt die Jagd mit der Waffe nur beim
Mond an den Schwarzwildkirrungen oder am Dachsbau. Diese Zeit nutzt
der Jäger aber verstärkt zur Schwarzwildjagd und will sich durch
Schussabgabe auf den Dachs nicht das Schwarzwild vergrämen. Daraus
ergibt sich ein weites Betätigungsfeld für die aktiven Baujäger mit
dem Terrier oder Teckel den Dachs zu bejagen. Da die Baujagd
grundsätzlich am Tage und in der Regel außerhalb der Tageseinstände
des Schwarzwildes durchgeführt wird, kommt es hier auch zu keiner
Interessenkolosion zur Schwarzwildjagd.
In den weiteren
Ausführungen möchte ich mich ausschließlich auf den Einsatz des
Teckels beschränken, da mir Erfahrungswerte über den Terriereinsatz
fehlen. Unter vielen Teckelführern gibt es noch Vorurteile über die
Baujagd auf den Dachs. Sie begründen das mit der angeblichen
Gefährdung des Bauhundes durch den Dachs, dass der Dachs aggressiver
als der Fuchs sei und der Hund angeblich durch den Dachs verklüftet
würde und nicht mehr aus dem Bau kommen kann. Zumal muss in den
meisten Fällen ein Einschlag gemacht werden muss, da der Dachs
relativ selten vor dem Hund den Bau verlässt.. Diese Bedenken kann
ich aus den bisher gesammelten Erfahrungen bei der Baujagd mit dem
eigenen Hund (über 20 Dachse) sowie aus meiner
Gebrauchsrichtertätigkeit bei der Vergabe des Leistungszeichens „BauhundNaturDachs“
(BhND) in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Niedersachsen nur bedingt
nachvollziehen. Jedem Weidgenossen, der mit seinem Hund aktiver
Baujäger werden möchte, kann ich als „Lehrbuch“ das Buch „
Bodenjagd“ vom Altmeister der Baujagd mit Teckel und Terrier ‚
Forstmeister Rudolf Fries ‚ empfehlen. Einen hohen Stellenwert für
die züchterische Beurteilung der Anlagen, Wesen, Leistungsfähigkeit
der Hunde nimmt die Arbeit am Naturbau, speziell auf den Dachs ein.
Bei keiner anderen Prüfung können solche Anlagen und Eigenschaften
geprüft werden wie Wesensfestigkeit, Wildschärfe und Wildhärte,
Ausdauer, Nase, Laut, Spurwille, Jagdverstand usw. Die Arbeit an der
Schliefenanlage am abgeschieberten Fuchs, bei dem kein unmittelbarer
Raubwildkontakt besteht, hat wenig züchterischen Wert. Da in
Deutschland auch nicht mit dem Teckel im Schwarzwildgatter
gearbeitet werden kann, um die Wildschärfe am Schwarzwild zu prüfen,
bietet die Arbeit am Dachs ein Äquivalent dafür. Aus meiner Praxis
kann ich sagen, dass die Hunde, die auch intensiv am Dachs arbeiten,
keine Probleme bei der Nachsuche bzw. beim Stöbern auf Schwarzwild
haben.
Die Auswahl des Teckels für die Baujagd
Zur Baujagd auf
den Dachs können Zwergteckel bis Teckel vom schweren Normalschlag
verwendet werden. Die Haarart und Farbe spielen eine untergeordnete
Rolle. Kurzhaarige Hunde sind nach der Baujagd pflegeleichter und
Flöhe/Zecken lassen sich leichter entfernen. Jäger, die sich für die
Baujagd interessieren und noch keinen Teckel haben, sollten sich von
einem Jagdgebrauchshundezüchter einen Teckelwelpen kaufen. Die
Auswahl dafür fängt bei der Suche nach ~geeigneten Elterntieren an.
Die beiden Zuchtvereine „Deutscher Teckelklub“ und „Verein
Jagdteckel“ bieten hier geeignete Hunde an. Beide Elterntiere
sollten möglichst das Leistungszeichen für Schussfestigkeit,
Spurlaut, und das Leistungszeichen BauhundNaturDachs haben. Eine
noch bessere Aussage über die Veranlagung der Eltern ist gegeben,
wenn deren Vorfahren oder Wurfgeschwister ebenfalls diese
Leistungszeichen haben. Auch sollte darauf geachtet werden, ob die
Elterntiere auch mehrfach erfolgreich zur Baujagd eingesetzt wurden
. Nur so ist mit hoher Wahrscheinlichkeit gewährleistet, das auch
die Welpen das gewünschte Erbgut haben. Allein das erworbene
Leistungszeichen bei der Arbeit in der Schliefenanlage am Fuchs gibt
keine züchterische Aussage über die erforderlichen Anlagen für die
Arbeit im Naturbau, da der Hund in der Schliefenanlage keinen
Raubwildkontakt hat und die Arbeitsweise in der Schliefenanlage zu
kurz ist und nicht den Erfordernissen der Naturbauarbeit entspricht.
Bei der
Welpenauswahl sollte man sich den gesamten Wurf einschließlich der
Hündin anschauen. Bereits aus der sozialen Struktur des Wurfes
lassen sich erste Aussagen zum Wesen geeigneter Welpen ableiten.
Hier sollten entsprechende Hilfsmittel zum Welpentest eingesetzt
werden. Diese können sein: Prüfen der Reaktion auf laute Geräusche,
dazu kann ich ein rasselndes Schlüsselbund auf den Boden in
Welpennähe werfen, hölzerne Brettchen zusammenschlagen oder mit
einer Schreckschusspistole in mindestens 50 Meter Entfernung einen
Schuss abgeben. Zur Prüfung das Interesse für Wild, kann den Welpen
eine frische Rehwild- und Schwarzwilddecke, Fuchsbalg oder
Dachsschwarte (ersatzweise eingefrostete und aufgetaute), vorgelegt
werden. Somit können wir das Interesse für Wild und einige Merkmale
für die Wesensfestigkeit feststellen.
Die Vorbereitung des Hundes für die Baujagd
Die Ausbildung
findet bereits im Welpenalter statt ‚ wenn der Züchter die Welpen
mit 8 bis 10 Wochen abgibt. Der Hund sollte sofort mit ins
Jagdrevier genommen werden, um sich mit den verschiedensten Gerüchen
und Geräuschen vertraut zu machen. Auch sollte man ihn an frisch
befahrenen Fuchs- und Dachsbauten riechen lassen — aber nur
angeleint und nicht einfahren lassen ! Bei der Jagd erlegte frische
Füchse und Dachse sollten dem Junghund vorgelegt werden, eventuell
diese bewegen, um den Hund an den Geruch und Geschmack zu gewöhnen.
Der Hund sollte die Möglichkeit haben, an Balg oder Schwarte zu
zausen. In diesem Alter sollte mit den Welpen das Durchschliefen von
Röhren (im Garten ‚ Zwinger) geübt und der Hund an die
Schliefenanlage ‚natürlich ohne eingesetztes Raubwild herangeführt
werden. Auch die Baujagd ‚ bei dem ein Einschlag erfolgte und das
Raubwild erlegt wurde, kann sehr gut für die Einarbeitung genutzt
werden. So wird nach dem Einsatz eines Kontrollhundes, der von der
Einfahrt bis zum Einschlag den Bau absucht, ob kein weiteres
Raubwild im Bau steckt, dieser abgenommen und das frisch erlegte
Raubwild in den Einschlag gelegt. Dann wird der Junghund an der
Einfahrt angesetzt, so das er bis zum Raubwild schlieft und dieses
verbellt bzw .beutelt. Ist der Hund ein Jahr alt ‚ kann der Teckel
in der Schliefenanlage am abgeschieberten Fuchs geprüft werden. Hier
können bereits erste Aussagen über die mögliche spätere Arbeitsweise
des Hundes getroffen werden. Ist der Hund ein „Flieger“, d.h. er
verlässt ein oder mehrmals den Bau und schlieft selbständig wieder
ein, oder er ist ein „Steher“, d.h. er liegt am abgeschieberten
Raubwild fest vor, verbellt dieses Anhaltend und muss abgenommen
werden. Für die spätere Baujagd auf Dachs wird der „Steher“
gewünscht, da sich der Dachs sehr schnell in Sandbauen „verklüftet“,
wenn der Hund von ihm ab!äßt. Der Hund kommt dann durch die
zugeschüttete Röhre nicht mehr an den Dachs heran.
Als oberster
Grundsatz gilt: Ich darf den Hund nicht mit Zwang in die künstlichen
Röhren, Schliefenanlage bzw. in den Naturbau schicken ! Der Hund
muss selbständig die Baue annehmen.
Bei
unerfahrenen Hunden, kann ich diese noch etwas anfeuern. Dieses
sollte jedoch nicht übertrieben werden, da der Hund schnell zum
„Blender“ werden kann. Das heißt, der Hund schlieft nur auf unser
Kommando und unter mehrfachem Zureden ein, im Bau gibt er dann Laut,
obwohl gar kein Raubwild vorhanden ist. Er wird dann wenn er aus dem
Bau kommt noch gelobt und so verknüpft er das Einschliefen, Bellen
im leeren Bau mit der zu erwartenden Belobigung.
Die Ausbildung
des Hundes für die Naturbauarbeit sollte stets mit angelegtem
Bausender erfolgen und unter Einsatz des Empfängers erfolgen. Für
den Hund wird das zum Ritual wie das Anlegen der Schweißhalsung mit
Schweißriemen für Nachsuchen. Auch muß sich der Hund an das
akustische Signal des Empfängers des Bauhundretters gewöhnen.
Ist der Hund
für die Baujagd sicher eingearbeitet und älter als 12 Monate, kann
ich mit ihm im Rahmen der Baunaturarbeit das Leistungszeichen
-BauhundNaturDachs- (BhND) erwerben. Hierzu sollten ein oder zwei
erfahrene Gebrauchsrichter, die die Prüfungsberechtigung haben,
hinzugezogen werden. Hat der Hund das Leistungszeichen, so besitzt
er laut Jagdgesetz die Eignung für die Baujagd. Im Interesse des
Tierschutzes, sollte jeder Einsatz des Hundes bei der Bauarbeit mit
einem Peilsender, dem „Bauhundretter“, erfolgen. Ob der erste
Einsatz auf Fuchs oder Dachs für die weitere Arbeit des Hundes auf
eine bestimmte Raubwildart prägend ist, kann ich nicht beurteilen.
Mein Hund hat im Bau zuerst den Dachs erfolgreich gearbeitet und
vermutlich hat ihn dieses Erlebnis für die weitere Bauarbeit
geprägt. Er arbeitet den Dachs über mehrere Stunden, verlässt auch
bei Einschlaggeräuschen nicht den Bau. Zum Teil zeigt er durch
selbstständiges Graben den „verklüfteten“ Dachs an.
In der Praxis
zeigt sich oft, dass Hunde die nur am Fuchs ausgebildet wurden und
an diesen gearbeitet haben, sich erst an die Arbeit am Dachs
gewöhnen müssen. Hunde mit ungenügendem Schneid verweigern manchmal
die Arbeit am Dachs. Jeder Baujäger, der auf den Dachs arbeitet muss
sich im klaren sein, dass der Dachs nur selten und dies nur bei
flachen bauen, springt. Bei 90 % der Arbeiten muss ein Einschlag
gemacht werden und der Dachs wird nach Abnahme des Hundes im
Einschlag erlegt .Das Hunde, die zur Baujagd eingesetzt werden, eine
gültige Tollwutschutzimpfung haben müssen, versteht sich von selbst.
Die Baujagd auf den Dachs
Bei der Auswahl
der Dachsbaue zur Arbeit mit dem Teckel sollten keine Felsbaue und
sehr alte und tiefe Dachsburgen, die oft bis 5 Meter tief und
mehretagig sind, gearbeitet werden. Hier springt der Dachs nicht und
nur durch zeit- und kraftaufwendige metertiefe Einschläge kommt man
an Hund und Dachs heran. Sehr oft müssen mehrere Einschläge
vorgenommen werden, da durch die Grabungsgeräusche der Dachs seine
Stellung verändert.
Wie
unterscheide ich einen befahrenen Dachsbau von einem Fuchsbau?
Die Dachsbaue
haben überwiegend einen größeren Röhrendurchmesser an den
Einfahrten. Bei der Haupteinfahrt ist ein rinnenförmiger Paß ‚ „das
Geschleif“. Oft führen vom Feld zum Dachsbau, aber auch von
nebeneinanderliegenden Dachsbauen breite Pässe zu den
Haupteinfahrten. Der Dachs trägt mehr Sand aus dem Bau und so liegt
bedeutend mehr Erde und Sand in der Umgebung der Ein- und Ausfahrten
als beim Fuchs.
Zum Herbst
räumen die Dachse ihre Winterbaue aus und tragen frisches Heu und
Moos in den Bau. Hier sind Grashalme und Moos in der Einfahrt zu
finden. Wenn in unmittelbarer Umgebung frische Löcher in Laub und
Erde zu finden sind, hat hier der Dachs nach Würmern und
Insektenpuppen „gestochen“ oder nach Wurzeln gegraben. Auch findet
man in der Umgebung kleine Löcher mit Kot ‚ die „Dachstoiletten“
Dachsbaue haben in der Regel mehrere Ein- und Ausfahrten . Es gibt
die Haupteinfahrt, die täglich abends und morgens genutzt wird und
somit die größte Röhre mit „Geschleif“ aufweist. An dieser Einfahrt
sollte auch der Hund bei der Bauarbeit angesetzt werden. Für die
Dachsjagd reicht der Hundeführer und zwei mit der Flinte bewaffnete
Jäger aus, die sich beim notwendigen Einschlag auch abwechseln
können. Sie sollten also körperlich fit sein.
Wichtig ist,
das nicht auf dem Dachsbau herumgetrampelt wird. Da nicht bekannt
ist, wie lang das Röhrensystem ist und in welche Richtung es
verläuft, sollte bis 25 Meter Abstand gehalten werden. Von keiner
Ein- und Ausfahrt aus darf der Dachs den Jäger sehen. Die
Windrichtung ist ebenfalls zu beachten. Der Dachs sichert in der
Röhre, erblickt er den Jäger, verlässt er nicht mehr den Bau und es
muss gegraben werden.
Zum Einsatz
kommt nur ein Bauhund. Bei zwei Hunden kann der Vordere durch den
nachfolgenden Hund auf den Dachs geschoben werden, bzw. wenn der
Dachs den Hund attackiert, kann dieser nicht nach hinten ausweichen
und es können die Hunde verletzt werden.
Zwei Hunde
sollten nur dann gleichzeitig zum Einsatz kommen, wenn diese durch
den Hundeführer gemeinsam eingearbeitet wurden und die Hunde
untereinander sich sehr gut verstehen. Dieser Einsatz sollte jedoch
die Ausnahme sein.
Die Bauhunde
sollten so ausgebildet sein, dass der Hundeführer 25 Meter vom Bau
entfernt stehen bleibt und der Hund selbstständig die Röhren absucht
und einschlieft. Jetzt ist Warten angesagt. Oft liegt der Dachs nur
2 bis 3 Meter von der Einfahrt in der Röhre und der Hund verfolgt
den Dachs im Bau, bis sich dieser in der Röhre, oftmals an einem
Röhrenknie stellt oder bis in eine Endröhre drückt. Viele Jäger sind
der irrigen Annahme, dass der Hund den Dachs im Kessel stellt.
Dieses ist nicht der Fall, da im großen Kessel der Dachs dem Hund
die ganze Körperpartie preisgeben würde und der Dachs sich des
angreifenden Hundes schlecht erwehren kann. Vom Kessel geht noch
eine Endröhre bis zu 2 Meter Länge ab, in der sich der Dachs dann
dem Hund stellt.
Auch wird
vielfach die Meinung vertreten, dass der Dachs den Hund „verklüftet“
(die Röhren zuscharrt und der Hund nicht mehr aus dem Bau kommt).
Dies ist absolut nicht der Fall Schlieft der Hund in den Bau ein und
riecht er den Dachs, so gibt der Hund Laut. (Stumme Hunde sollten
nicht zur Bauarbeit eingesetzt werden) Der Dachs wird vor dem Hund
im weitverzweigten Röhrensystem flüchtig und versucht sich dem
Zugriff des Hundes zu entziehen. Auf dieser Flucht hat er keine
Zeit, sich selbst zu „verklüften“. Wenn der Hund den Dachs hart
bedrängt, stellt er sich an einem Röhrenknie, Röhrenabzweigung oder
in der Endröhre. Hier senkt er seinen Kopf und bietet dem Hund die
Nackenpartie. Kommt der Hund in den Gebissbereich des Dachses, so
kann er schon mal die Behangspitzes (Ohr) des Hundes abbeißen oder
in den Behang Löcher beißen. Auch gibt es gelegentlich Bisswunden in
die Backe des Hundes ‚ eventuell auch auf den Nasenrücken. Der Dachs
lässt den Hund nach dem Biss sofort wieder los. Fang in
„Fang-Positionen“ habe ich beim Dachs noch nicht erlebt.
Die Anzahl und
Schwere der Verletzungen des Hundes durch den Dachs sind nicht so
zahlreich und stark wie beim Fuchs. Dass der Dachs den Hund mit
seinen Pranten verletzt, gehört ins Reich der Fabeln und ist
anatomisch nicht machbar. Wenn Dachs und Hund sich in der Röhre
gegenüber liegen, reichen die Pranten nur bis zur Kehle des Dachses
und können somit den Hund nicht verletzen.
Springt der
Dachs nach einer Wartezeit von ca. 30 bis 45 Minuten nicht,
so begibt sich der Hundeführer vorsichtig auf den Dachsbau und ortet
mit dem Bauhundretter den Standort des Hundes und verhört, ob er~
Laut gibt und vor dem Raubwild liegen könnte. Diese Steile wird auf
der Erdoberfläche markiert. Dann bleibt der Hundeführer stehen und
wartet weitere 5 bis 10 Minuten, ob der Hund an der gleichen Stelle
bleibt . Liegt der Hund fest vor, wird mit dem Einschlag begonnen.
Wichtig dabei ist, dass mindestens ein Flintenschütze die Ausfahrten
im Auge behält. Denn bei Grabungsgeräuschen kann der Dachs auch
springen. Bei Tiefen von über 80 Zentimeter sollte die
Einschlagsgröße von l80x80 Zentimeter gewählt werden.
Ich empfehle
den Einschlag unmittelbar hinter dem Hund durchzuführen. Dies dient
der Sicherheit des Hundes. Steckt der Dachs in der Endröhre und kann
nicht mehr nach hinten ausweichen, kann er durch die
Grabungsgeräusche den Hund überrollen und eventuell verletzen.
Das Anstechen
der Röhre sollte der Hundeführer selbst vornehmen. Nach dem Öffnen
mit Spaten oder Schippe zwischen Hund und Dachs abschiebern und den
Hund aus dem Einschlag nehmen und anleinen. Darauf achten, dass der
Hund keinen Laut gibt. Die rückwärtige Röhre wird dann mit Sand
verfüllt, so dass der Dachs nicht in die Bauanlage zurückweichen
kann. Selbst aus den Einschlag steigen und den Spaten wegnehmen, so
dass der Dachs in den Einschlag kommen kann. Dies erfolgt nach
kürzester Zeit wenn Ruhe ist. Hier kann der Dachs mit der
Fangschusswaffe erlegt werden. Der Schuss muss generell auf die
Schädelmitte mit der Normalpatrone (keine Fangschusspatrone)
erfolgen. Schüsse in den Fangbereich oder auf den Körper töten den
Dachs nicht und sind Tierquälerei. Auch darf kein Hund an einen
krankgeschossenen Dachs angesetzt werden. Die Verletzungsgefahr für
den Hund ist zu groß.
Sollte der
Dachs nicht in den Einschlag kommen, könnte ein Röhrenknie vorhanden
sein und der Dachs hat sich weiter zurückgezogen. Mit der
Taschenlampe in die Röhre leuchten und notfalls den Hund erneut
ansetzen. Beim erneuten Ansetzen des Hundes darauf achten, dass er
jederzeit nach hinten auf Attacken des Dachses ausweichen kann und
nicht durch Erde in der Röhre behindert wird. Hat der Dachs den
Menschen im Einschlag gesehen, kommt er nicht, da muss dann erneut
ein Einschlag über dem Dachs vorgenommen werden und nach ein paar
Spatenstichen kommt dann der Dachs in den Einschlag, wenn er die
Grabungsgeräusche hört.
Wenn der Dachs
erlegt oder die Arbeit erfolglos abgebrochen wurde und der Hund aus
dem Bau ist, wird der Einschlag „überbrückt“. Dazu werden Bretter
oder Äste mit Grassoden über die geöffnete Röhre gelegt und der
Einschlag mit Erde verfüllt und mit Steinen markiert. Somit kann der
Bau mehrere Jahre genutzt werden.
Was tun, wenn der Hund nach längerer Vorliegearbeit
oder beim Einschlag den Bau verlässt ?
Am Dachs
unerfahrene Hunde lassen nach längerer Vorliegearbeit oder bei
Grabungsgeräuschen vom Dachs ab und kommen aus dem Bau. Hier ist es
wichtig, alle Stellen, wo der Hund längere Zeit vorgelegen hat, zu
kennzeichnen. Schlieft der Hund erneut ein und gibt keinen Laut mehr
und kommt bald wieder aus dem Bau, hat er den Dachs verloren, da
dieser sich „verklüftet“ hat, d.h. hinter sich Sand gebuddelt hat
und der Hund nicht mehr an ihn herankommt. Viele Hunde brechen dann
die Arbeit ab. An der markierten Stelle soll dann der Einschlag bis
zur Röhrenöffnung durchgeführt und der weitere Röhrenverlauf gesucht
werden. Hier kann ein Hund mit guter Nase weiterhelfen, denn der
durch den Dachs hinter sich geschaufelte Sand weist genügend
Geruchspartikel auf und zeigt die Fluchtrichtung des Dachses an.
Was tun wenn der Hund verletzt ist?
Die heutigen
Teckel zeigen eine gesunde Raubwildschärfe . Sie stürmen nicht
blindlings auf das Raubwild und verbeißen sich an irgendwelchen
Körperstellen. In meiner Baujagdpraxis habe ich festgestellt, dass
der prozentuale Anteil und die Schwere der Verletzungen bei der
Bauarbeit auf den Dachs geringer sind als beim Fuchs. Nach jeder
Bauarbeit sollte besonders der Fang des Hundes kontrolliert werden,
ob das Zahnfleisch oder eine Zahntasche verletzt wurde. Verletzungen
und besonders die Augen müssen mit klarem Wasser sofort ausgewaschen
werden, da sich viel feiner Sand hinter die Augenlider festsetzt und
es somit zu Entzündungen des Auges kommen kann. Leichte Verletzungen
werden vor Ort mit dem Desinfektionsmittel „Retterspitz“ (in
Apotheke) behandelt, anschließend wird Wundsalbe aufgetragen. Bei
tieferen Wunden sollte der Tierarzt zu weiteren Behandlungen
aufgesucht werden. Nach jeder Bauarbeit soll dem Hund reichlich
Trinkwasser angeboten werden. Auch ein leicht verletzter Hund sollte
am gleichen Tag nicht mehr in den Bau geschickt werden. Bei
raubwildscharfen Hunden, die leicht verletzt sind, steigt der
Adrenalinspiegel sehr hoch an. Sie verspüren dann keinen Schmerz und
können sich bei Kämpfen mit dem Dachs schwere Verletzungen zuziehen.
Hilfsmittel für die Baujagd
Bauhundretter
der Marken DEEBEN „Ferret Finder“ und der neue „Ferret Finder II“
sowie „Ortovox“. Für sehr tiefe Dachsbaue ist der „Ortovox“ zu
empfehlen.
Spaten ‚
Schaufel mit langem und kurzen Stiel, eine „Wiedehopfhacke“ wie sie
in der Forst Verwendung findet, Taschenlampe, „Dachszange“,
Handbeil, kleine Säge, Fangschussrevolver ab ca. 38 Spezial,
Desinfektionsmittel, Trinkwasser für den Hund, Handy mit Tel.-Nr.
des nächsten Tierarztes.
Verwertung des Dachses
Die heutige
Verwertung des Dachses beschränkt sich überwiegend auf die gegerbte
Schwarte als Schmuck für das Jagdzimmer. Aber auch die Fangzähne
lassen sich wie beim Fuchs zu Schmuck in Form von Anhängern oder
Broschen durch den Juwelier verarbeiten. Der auf Trichinen
untersuchte Dachskern lässt sich wie ein Wildbraten zubereiten und
ist für den menschlichen Genuss geeignet. Eine schmackhafte
Spezialität sind geräucherte Dachskeulen. Das beim Abschwarten
gewonnene Feist kann nach entsprechender Wärmebehandlung als
Lederfett verwendet werden. Weitere Verwendung des Feistes zur
Salbenherstellung und die Verwendung der Borsten zu
Pinselherstellung sind möglich, werden aber wegen des Aufwandes
heute nicht mehr praktiziert.
Zur Ausbildung
von Jungjägern und als Anschauungsmaterial in Ausstellungen kann der
Dachs durch den Präparator präpariert werden, oder der Jäger kann
selbst durch Abkochen und Bleichen den Skelett-Schädel präparieren.
Joachim
Brenz
DTK-Gruppe
Gardelegen